Es gab eine Zeit, in der zwischen einem Text und seiner gedruckten Form ein halbes Dutzend Berufe lagen. Setzer, Reprofotograf, Lithograf, Montierer, Drucker. Jeder Schritt hatte eigenes Werkzeug, eigene Fachsprache und eigene Fehlerquellen. Innerhalb weniger Jahre ist dieser Apparat auf ein Programm zusammengeschrumpft.
Verschwunden ist das Wissen deswegen nicht. Es hat nur den Ort gewechselt und steckt heute in Voreinstellungen, Prüfroutinen und Exportprofilen, die kaum jemand öffnet.
Was die Software nicht abnimmt
Ein Layoutprogramm setzt Zeilen, aber es entscheidet nicht über Leserichtung, Weißraum und Hierarchie. Es prüft Farbräume, aber es weiß nicht, ob ein Blauton zur Marke gehört. Es kann Schriften einbetten, aber es erkennt nicht, ob eine Lizenz das erlaubt. Wie Inhalte geordnet und gewichtet werden, ist ein eigenes Fachgebiet, dem etwa der World Information Architecture Day gewidmet ist.
Genau an diesen Stellen entstehen die Fehler, die in der Druckerei auffallen. Sie sind selten technischer Natur, sondern fast immer Entscheidungen, die niemand getroffen hat.
Der Bruch zwischen Bildschirm und Papier
Ein Monitor leuchtet, Papier reflektiert. Diese banale Tatsache erklärt die meisten Enttäuschungen beim Andruck. Farben, die am Bildschirm satt wirken, liegen im Druck außerhalb des erreichbaren Bereichs, vor allem kräftige Blau- und Grüntöne. Dazu kommt die Papierfarbe, die jede Fläche leicht einfärbt.
Wer regelmäßig druckt, arbeitet deshalb mit Proofs und mit Farbprofilen, die das Verhalten des Papiers vorwegnehmen. Grundlage vieler dieser Profile sind die standardisierten Charakterisierungsdaten der Fogra, des Forschungsinstituts für Medientechnologien. Wer selten druckt, verlässt sich auf die Druckerei und sollte zumindest wissen, welche Fragen dort gestellt werden.
Schriften und ihre Lizenzen
Eine Schrift ist Software und wird lizenziert, nicht gekauft. Die Lizenz regelt, auf wie vielen Rechnern sie installiert sein darf, ob sie in ein PDF eingebettet werden darf und ob eine Weitergabe an die Druckerei zulässig ist. Wer eine Datei mit eingebetteter Schrift weitergibt, gibt technisch einen Teil dieser Schrift weiter.
In der Praxis führt das zu zwei verbreiteten Fehlern. Erstens werden Schriften aus kostenlosen Sammlungen verwendet, deren Herkunft niemand prüfen kann. Zweitens wird bei Kundenprojekten die Lizenz beim Dienstleister belassen, obwohl der Auftraggeber die Datei später selbst weiterverwenden will. Beides fällt erst auf, wenn es unangenehm wird, und lässt sich am Anfang eines Projekts in zehn Minuten klären.
Wissen, das öffentlich verfügbar ist
Die Druckbranche dokumentiert ihr Handwerk erstaunlich offen. Fachmagazine erklären Farbmanagement, Papierklassen, Veredelung und Bindearten in einer Ausführlichkeit, die man sonst nur in Lehrbüchern findet. Das Schweizer Fachmagazin publisher.ch beschäftigt sich seit Jahren mit dieser Schnittstelle zwischen Gestaltung, Technik und Produktion und richtet sich dabei sowohl an Agenturen als auch an Selbstlayouter.
Für den deutschen Markt sind die Inhalte weitgehend übertragbar. Unterschiede gibt es bei Papierformaten in Einzelfällen und bei den Preisstrukturen, nicht aber in der Technik dahinter.
Die wiederkehrenden Fehler
Vier Probleme tauchen in Druckereien immer wieder auf: fehlender Anschnitt bei randabfallenden Motiven, Bilder mit zu geringer Auflösung, nicht eingebettete Schriften und Sonderfarben, die versehentlich im Dokument verbleiben. Alle vier lassen sich vor dem Export in wenigen Minuten prüfen.
Der fünfte Klassiker ist das falsche Dateiformat. Ein Bildschirm-PDF mit komprimierten Bildern sieht am Monitor gut aus und zerfällt im Druck sichtbar.
Warum sich das Wissen weiter lohnt
Print ist kleiner geworden, aber nicht verschwunden. Verpackungen, Verlagswesen, Verwaltung und Werbung produzieren weiter in großen Mengen. Auch private Drucksachen wie Einladungskarten zum Geburtstag entstehen heute meist am eigenen Rechner. Wer heute gestaltet, arbeitet meist für Bildschirm und Papier gleichzeitig, und die Anforderungen widersprechen sich an vielen Stellen.
Deshalb ist die alte Vorstufenlogik keine Nostalgie. Sie ist der Grund, warum manche Dateien durchlaufen und andere zurückkommen.
Häufige Fragen
Braucht man für Druckdaten ein professionelles Layoutprogramm?
Für einfache Drucksachen nicht zwingend. Entscheidend ist, dass sich Anschnitt, Farbraum, Auflösung und Schrifteinbettung kontrollieren lassen. Viele Bürowerkzeuge bieten das nicht.
Warum sehen Farben im Druck anders aus als am Monitor?
Weil ein Bildschirm additiv leuchtet und Papier Licht reflektiert. Kräftige Blau- und Grüntöne liegen häufig außerhalb dessen, was im Vierfarbdruck erreichbar ist.
Was ist Anschnitt und warum fehlt er so oft?
Ein Rand von wenigen Millimetern über das Endformat hinaus, damit beim Schneiden keine Blitzer entstehen. Er fehlt oft, weil Vorlagen im Endformat angelegt wurden.


